
Leiterin International Office
Paola Yaconis
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Lukas hat während seines Masterstudiums an der Fakultät Design einen Short Course am Edinburgh Futures Institute in Schottland absolviert. Wohnen im Studentenheim? Fehlanzeige. Kurzerhand baute er sein Auto in ein Campingfahrzeug um und erlebte seinen Auslandsaufenthalt zwischen philosophischen Seminaren und Zukunftsprojekten auf eine außergewöhnliche Art! Sein Tipp: "Hab den Mut, eigene Wege zu gehen – auch wenn sie unkonventionell sind." Erfahre mehr dazu in seinem Bericht.
Die Vorbereitung meines Aufenthalts in Schottland verlief sehr abenteuerlich und kurzfristig. Hilfreich war es, frühzeitig Kontakt mit dem International Office der Partnerhochschule aufzunehmen und sich regelmäßig über die angebotenen Möglichkeiten und Kurswahlen auszutauschen. Da ein reguläres Auslandssemester nicht zustande kam, konnte ich mit Hilfe des International Offices kurzfristig eine Lösung über einen sogenannten Short Course finden.
In Rücksprache mit meinem Professor kam mir die Idee, mein Auto zu einem mobilen Campingfahrzeug umzubauen: Rückbank raus, Plattform rein. So entstand genügend Platz für Gepäck, Zubehör und eine Matratze. Ein zusätzliches Trafomodul, das an die Autobatterie angeschlossen wurde, sorgte für ausreichend Strom für Laptop und Handy. Ende März konnte die Reise schließlich beginnen.
Nach einigen Zwischenstopps in Belgien erreichte ich die französische Küste, um mit der Fähre nach England überzusetzen. In London fand die 2. LTAP-Konferenz statt – ein Treffen von Futuristen, Langzeitdenkern und -denkerinnen und Vertretern internationaler Langzeitkunstprojekte. Als Repräsentant der Wemdinger Zeitpyramide war es mir eine große Ehre, dort teilzunehmen und mich auszutauschen. Besonders beeindruckend war der Besuch des in London beheimateten Projekts Longplayer: In einem kleinen Leuchtturm an der Themse befindet sich ein algorithmisches Klangsystem, das Musik über 1.000 Jahre erzeugt – ohne Wiederholung! Das Stück begann im Jahr 2000 und wird bis zum Jahr 3000 erklingen. Solange diese Musik zu hören ist, wird sie Generationen von Londonern und Zuhörern begleiten – ein wahrlich atemberaubendes Erlebnis.
Am letzten Tag meines Aufenthalts in der britischen Hauptstadt besuchte ich das Science Museum of London, wo ich den ersten Prototyp der Clock of the Long Now sehen durfte. Diese von der Long Now Foundation entwickelte Apparatur testet einen einzigartigen Uhrmechanismus, der 10.000 Jahre lang schlagen wird – eine Manifestation von Langzeitdenken.

Nach meinem Zwischenstopp in London ging es weiter Richtung Edinburgh – mit einigen Umwegen, die mir zusätzliche Eindrücke von England ermöglichten. Zu Ostern wurde ich schließlich von den Hügeln Edinburghs herzlich empfangen. Das Edinburgh Futures Institute bot nicht nur spannende Vorträge zu Zukunftsthemen, sondern auch zahlreiche soziale Veranstaltungen, um schnell Kontakte zu knüpfen. Besonders positiv war, dass man durch Events wie das UtopiaLab leicht ins Gespräch kam und sich vernetzen konnte. Ich kann nur empfehlen, an möglichst vielen dieser Veranstaltungen teilzunehmen – sie erleichtern den Einstieg enorm. Auch die Short Courses in Philosophy & Arts sowie die Forschungsmöglichkeiten zu XR in Cultural Heritage haben meine eigene Forschung stark bereichert.
Ich entschied mich für das Leben im Camper – eine Lösung, die sich als abenteuerlich, aber oft auch ideal erwies: flexible Wege, viele Park-and-Ride-Möglichkeiten und keine Mietkosten. Das Arbeiten in Universitäten und Bibliotheken erleichterte den Aufenthalt enorm. In den Universitätsgebäuden gab es sanitäre Anlagen mit Duschen sowie häufig Gemeinschaftsküchen. Im Mai entschied ich mich dennoch für einen Monat zur Miete: Ich fand privat ein kleines Zimmer in einer Art privatem Hostel in einem Wohngebiet am Stadtrand – eine angenehme Ergänzung zu meinem mobilen Alltag.
Das Studium in Schottland zeichnet sich durch ein hohes Maß an Eigenverantwortung und kritischem Denken aus. Besonders inspirierend war der philosophische Anteil der Kurse – Diskussionen und Reflexionen wurden stark gefördert. Die Lehrenden waren engagiert, zugänglich und offen für neue Perspektiven. Mir gefiel besonders der kreative Umgang mit digitalen Medien und XR-Technologien im Kulturbereich, was perfekt zu meinem Studienfokus auf XR-Management & Kulturgestaltung passte. Die Vernetzung mit der University of Glasgow und dem Projekt „Museums in the Metaverse“ war besonders bereichernd.
Schottland hat mich durch seine Kombination aus Geschichte, Natur und moderner Kultur tief beeindruckt. Ob man in Edinburgh durch mittelalterliche Gassen spaziert oder an der Westküste wandert – die Atmosphäre ist einzigartig. Ein Wochenendausflug in die Highlands war ein absolutes Highlight. Die Menschen sind freundlich, hilfsbereit und stolz auf ihre kulturelle Identität. Das Wetter ist wechselhaft, aber die Landschaft entschädigt für alles.
Das Studentenleben ist lebendig und vielfältig. Es gibt zahlreiche Angebote – besonders für Outdoor-Fans sowie für Kunst- und Geschichtsinteressierte. Auch kleinere Städte und ländliche Regionen bieten ein überraschend reiches Kulturleben. Das akademische Englisch war gut verständlich, auch wenn der schottische Akzent anfangs eine kleine Herausforderung darstellte.
Auf dem Rückweg nach Hause – wieder mit der Fähre nach Frankreich – machte ich noch einen Abstecher nach Uffington im Süden Englands. Dort wartete eine letzte besondere Erfahrung auf mich: Ich durfte am Erhalt des uralten Scharrbildes, des Uffington White Horse, mitwirken. Dieses über 3.000 Jahre alte keltische Kreidepferd wird traditionell jährlich erneuert – auch wenn diese Aufgabe in der Vergangenheit ernster oder weniger ernst genommen wurde von der jeweilig lokalen Bevölkerung – hat das Pferd die Jahrhunderte überstanden.
An der Stelle, an der laut Legende der heilige Georg den Drachen getötet haben soll, wächst bis heute kein Gras – nur das strahlend weiße Kalkgestein bleibt sichtbar. Um dieses Weiß zu bewahren, müssen Kalksteine, damals wie heute, mit dem Hammer zu Staub zerschlagen und verdämmt werden. So entstehen die klaren Linien, die das Luftbild des Pferdes formen. Diese Tätigkeit verband mich symbolisch mit den Generationen vor mir – ein stiller, eindrucksvoller Abschluss meiner Reise. Ich bin sehr dankbar, eine so außergewöhnliche Erfahrung gemacht zu haben.
Mein Aufenthalt in Schottland war in jeder Hinsicht außergewöhnlich – ein Abenteuer zwischen Forschung, Philosophie und Freiheit. Ich habe nicht nur meine Englischkenntnisse verbessert, sondern auch neue Denkweisen, kulturelle Perspektiven und Freundschaften gewonnen. Besonders prägend war die Begegnung mit langfristigem Denken in Theorie und Praxis – von Longplayer über das Edinburgh Futures Institute bis hin zum White Horse von Uffington. Diese Erfahrungen haben meine Haltung zu Zeit, Nachhaltigkeit und kultureller Verantwortung nachhaltig vertieft.
Mein Rat an künftige Studierende: Habt den Mut, eigene Wege zu gehen – auch wenn sie unkonventionell sind. Ein Auslandsaufenthalt ist keine fertige Schablone, sondern eine Reise, die sich beim Gehen formt – und genau das macht sie so wertvoll.

Paola Yaconis
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